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LSVD Sachsen-Anhalt

Pressedienst LSVD Sachsen-Anhalt:

Neuen Runderlass zur schulischen Sexualerziehung zügig umsetzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

anlässlich der Veröffentlichung des neuen Runderlasses zur „Sexualerziehung an den allgemein- und berufsbildenden Schulen“ erklärt der Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Sachsen-Anhalt:

Neuen Runderlass zur schulischen Sexualerziehung zügig umsetzen

Wir freuen uns sehr, dass das Kultusministerium in Sachsen-Anhalt mit dem neuen Runderlass endlich die bisher gültige Verordnung aus dem Jahr 1996/1998 überarbeitet und ersetzt hat. Der LSVD Sachsen-Anhalt befürwortet und unterstützt es ausdrücklich, dass Sexualerziehung nicht nur als Teil einer werteorientierten Gesamterziehung verstanden wird, sondern ebenso fächerübergreifend gelehrt werden muss.

Jedoch darf es nicht bei der reinen „Sexualerziehung“ bleiben. Schulen und Bildungseinrichtungen haben besonders heute den Auftrag junge Menschen auf gesellschaftliche Vielfalt im Alltagsleben vorzubereiten – und dieser Auftrag muss kompetenzorientiert in allen Fächern erfüllt werden. Eine Pädagogik der Vielfalt soll Kinder und Jugendliche nicht nur darin bestärken ein positives und akzeptiertes Selbstbild zu entwickeln, sondern sie soll junge Menschen auch befähigen sich selbstbewusst gegen Diskriminierung und Ausgrenzung behaupten zu können. Dieses Vorhaben kann jedoch nur gelingen, wenn über die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten sachlich und angemessen in Schule und Ausbildung informiert wird. Hier fordern wir von Landesregierung und dem Kultusministerium, den Runderlass entsprechend nachzubessern und die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten nun endlich auch in die Schulen und in die Lehrerbildung zu tragen.

Der LSVD Sachsen-Anhalt hat sich als Mitglied des Lesben- und Schwulen politischen Runder Tisches Sachsen-Anhalt (LSpRT) bei der Erstellung des „Gesamtgesellschaftlicher Aktionsplans für Akzeptanz von Lesben und Schwulen, Bisexuellen, Trans*und Intersexuellen (LSBTI) und gegen Homo-und Transphobie in Sachsen-Anhalt besonders dafür eingesetzt, dass die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten auch eine adäquate Behandlung in der pädagogischen Aus- und Fortbildung findet und als verpflichtendes Modul in der Lehramtsausbildung etabliert wird. Hier sehen wir eindeutig die Landesregierung in der Pflicht, diese Rahmenbedingungen schnellstmöglich zu schaffen. Nur wenn es gelingt sexuelle Vielfalt als selbstverständliches Unterrichtsthema zu integrieren, kann Homo- und Transphobie nachhaltig bekämpft werden. Sexualerziehung im engeren und die Etablierung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im weiteren Sinne ist ein wichtiger Bestandteil der Demokratie- und Menschenrechtsbildung und eine der Kernaufgaben von Schulen in Deutschland.

Um dieses Ziel erreichen zu können ist es aus unserer Sicht ebenso wichtig und wünschenswert, dass Schule und Eltern als Partner auftreten, um einen nachhaltigen Lehr- und Lernerfolg zu ermöglichen. Jedoch darf diese Partnerschaft nicht dazu führen, dass Themen wie beispielsweise Homosexualität oder Regenbogenfamilien auf Druck von außen nicht oder nur am Rande im Unterricht behandelt werden. Sexuelle Vielfalt gehört, genau wie Inklusion oder die Thematisierung von Rassismus, ganz selbstverständlich in den Unterricht hinein und darf nicht von einer vorherigen Genehmigung der Unterrichtssequenz abhängig sein.

Gemeinsames Ziel, im Sinne eines kompetenzorientierten Unterrichts, muss es stets sein Kindern und Jugendlichen die Fähigkeit zu vermitteln Sexualität und besonders auch gesellschaftliche Vielfalt als positive Kraft zu sehen, die zur Persönlichkeits- und zur Selbstverwirklichung beiträgt. Junge Menschen müssen in die Lage versetzt werden, Geschlechterrollen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen kritisch bewerten zu können, um sich selbst nicht nur ein Urteil darüber zu bilden, sondern um sich mit ihrer Lebenswelt besser auseinandersetzen zu können.

Karsten Köpp und Martin Rott
für den Landesvorstand des LSVD Sachsen-Anhalt
[Beitrag geändert von Dirk am 20.09.2015, 21:54:29]
Veröffentlicht am: 10.07.2015