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LSVD Sachsen-Anhalt

Presseerklärungen

Homosexuelle Jugendliche für Bergner "gestörte Persönlichkeiten"

Entschuldigung für skandalöse Äußerungen gefordert
Halle. Am 16. September kam es während eines Wahlforums im Elisabeth-Gymnasium Halle zu skandalösen Äußerungen von Dr. Christoph Bergner Staatssekretär im CDU-geführten Bundesinnenministerium. Bergner war in der ersten Hälfte der Neunziger Jahre für kurze Zeit auch Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Bergner führte die dramatisch erhöhte Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen auf "eine massive Persönlichkeitsstörung" zurück. Grüne, Linke, das BBZ "lebensart" und LSVD Sachsen-Anhalt sowie zahlreiche Persönlichkeiten hatten protestiert und Bergner bzw. die CDU, deren Spitzenkandidat Bergner war, aufgefordert, sich zu entschuldigen. Auf Nachfrage von Halle Forum de. hatte Bergner indirekt seine Äußerungen wiederholt.

Pressemitteilung des BBZ "lebensart" Halle e.V.
Zu den Äußerungen des parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner auf dem Wahlforum im Elisabeth-Gymnasium sagt Hendrik Lange, Vorsitzender des BBZ "lebensart" e.V.: "Eine solche Entgleisung eines Staatssekretärs ist ein Skandal! Bergner verkennt die Probleme homosexueller Jugendlicher in der Phase des Coming Out und bezeichnet Homosexuelle als gestörte Persönlichkeiten!"
Während des Wahlforums am 16. September im Elisabeth-Gymnasium führte Dr. Bergner die nach einer Studie festgestellte viermal höhere Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen auf eine "massive Persönlichkeitsstörung" zurück. Lange sagt weiter: "Eine solche Äußerung einer Person mit herausragender politischer Stellung ist auch mit Blick auf die Bemühungen, gerade bei Jugendlichen für Akzeptanz zu werben, fatal. Homosexuellen eine "massive Persönlichkeitsstörung" zu unterstellen ist eine Ansicht aus dem letzten Jahrhundert. Zudem verkennt Bergner das Wirken von Intoleranz in der Gesellschaft, welche homosexuelle Jugendliche zu Verzweiflungstaten drängt. Ich fordere Dr. Bergner auf, sich für diese Äußerung zu entschuldigen."
Das Begegnungs- und Beratungszentrum "lebensart" setzt sich seit 1990 für Akzeptanz von sexuellen Minderheiten in der Gesellschaft ein. Unter anderem klären Aktionsformen wie der Christopher-Street-Day aber auch das Bildungsprojekt an den Schulen in Halle hierzu auf.

Magdeburg. Trotz der Proteste zog Bergner seine Äußerungen nicht zurück. Der LSVD versuchte am 21. September bei Bergner nachzufragen. Seine Sekretärin teilte jedoch mit, dass er für den LSVD sicher nicht erreichbar" sei und verteidigte die Äußerungen. Daraufhin wurde folgende Pressmitteilung des LSVD Sachsen-Anhalt verbreitet:

Staatssekretär Bergner: Homosexuelle sind gestörte Persönlichkeiten
CDU muss sich jetzt von Bergner distanzieren

Der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium und Wahlkreiskandidat der CDU in Halle hat bei einem Wahlforum am 16. September die hohe Suizidgefährdung Jugendlicher im Coming out auf Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung zurück geführt. Dies hatte er auf eine Nachfrage von HalleForum.de bekräftigt. Für eine weitere Stellungnahme dazu war er bislang nicht erreichbar.
Dazu erklärt Martin Pfarr, Landessprecher des LSVD Sachsen-Anhalt:
Herr Bergner hat trotz öffentlicher Aufforderung seine umstrittenen Äußerungen bislang nicht zurückgenommen. Wer die hohe Suizidgefährdung von homosexuellen Jugendlichen öffentlich als Ausdruck einer massiven Persönlichkeitsstörung bezeichnet und nicht bereit ist, darüber nachzudenken, welche Maßnahmen geeignet sind, Jugendliche in diesem Lebensabschnitt zu stärken und zu unterstützen sowie Homosexuellenfeindlichkeit und Gewalt gegen Homosexuelle zu bekämpfen, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nun im Fokus öffentlicher Kritik steht.
Wir erwarten vom Bundesinnenministerium geeignete Maßnahmen gegen Homosexuellenfeindlichkeit und fordern einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie.
Die CDU fordern wir auf, sich von den skandalösen Äußerungen ihres parlamentarischen Staatssekretärs und Bundestagskandidaten zu distanzieren.
Veröffentlicht am: 28.12.2009