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LSVD Sachsen-Anhalt

Presseerklärungen

Evangelische Kirche in Mitteldeutschland segnet lesbische und schwule Partnerschaften

Diskriminierung "unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild"
Nach einem Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) vom vergangenen Wochenende, können sich lesbische und schwule Paare innerhalb der EKM künftig kirchlich segnen lassen. Zur EKM gehören weite Teile von Sachsen-Anhalt und von Thüringen. Dazu erklärt Martin Pfarr, Landesvorstand vom Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt:

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften können in großen Teilen Sachsen-Anhalts und Thüringens nun auch in den evangelischen Kirchen gesegnet werden. Der LSVD Sachsen-Anhalt begrüßt den Beschluss der Landessynode der EKM. Er war überfällig und konsequent, nachdem in der mitteldeutschen Landeskirche lesbische und schwule Paare bereits nach einem früheren Beschluss zusammen im Pfarrhaus leben können. Beide Beschlüsse zeigen, dass Religion und Homosexualität nicht unvereinbar sein müssen. Lesbische und schwule Paare sind nun im kirchlichen Alltag dieser Landeskirche angekommen und können in Fragen der rechtlichen Gleichstellung auf deren Rückhalt zählen.

Im Beschluss wird betont, dass die Diskriminierung von Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, "unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild" ist und ihr daher innerkirchlich und gesellschaftlich entgegengetreten werden muss. Nach diesem Beschluss kann die CDU Sachsen-Anhalts die Einfügung eines Diskriminierungsverbots aufgrund der sexuellen Identität in den Artikel 7, Absatz 3 der Landesverfassung nicht länger mit dem Verweis auf ihr christliches Menschenbild verweigern. Zudem wäre ein Landesaktionsplan gegen Homo- und Transphobie, den die CDU im Gegensatz zu den anderen Parteien ebenfalls ablehnt, ein wichtiges Signal der Landesregierung, das Versprechen der Landeskirche in den gesellschaftlichen Alltag umzusetzen. Die Landesregierung und Ministerpräsident Haseloff müssen sicherstellen, dass Lesben und Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle (LSBTI) in Sachsen-Anhalt offen und angstfrei leben können. Mit dem Entwurf des Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches des Landes Sachsen-Anhalt für einen solchen Landesaktionsplan ist ein vielversprechender Anfang gemacht, der nun zielstrebig weiterverfolgt werden muss.

Wir fordern zudem die Landeskirche Anhalt auf, deren Synode sich bislang zu Lesben und Schwulen überhaupt noch nicht positioniert hat, es ihrer mitteldeutschen Schwesterkirche gleich zu tun. Auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften sind aufgerufen, der Vielfalt des Lebens mit Respekt zu begegnen. Religion darf nicht für Ausgrenzung und Verfolgung von Lesben und Schwulen instrumentalisiert werden.

Martin Pfarr
Landessprecher des LSVD Sachsen-Anhalt. E-Mail: sachsen-anhalt@lsvd.de
LSVD Sachsen-Anhalt, Walther-Rathenau-Str.31, 39106 Magdeburg, Tel./Fax. 0391/5432569
[Beitrag geändert von Dirk am 09.12.2012, 09:12:15]
Veröffentlicht am: 29.11.2012