Wir erinnern an Benno Meyer

Benno Hans Paul Meyer, geboren am 2. Mai 1878 in Braunschweig, Architekt und Bauführer, wohnhaft in Magdeburg, Regierungsstraße 23. Im April 1937 Verhaftung, Haft in Magdeburg und St. Georgen-Bayreuth, 1940 KZ Sachsenhausen; 5. Juni 1941 „Kommando S“, wahrscheinlich ein Transport in die Euthanasieanstalt Sonnenstein bei Pirna; ermordet. Tod angeblich am 2. Juli 1941 durch Kreislaufversagen, angeblich im KZ Sachsenhausen, Urnenbeisetzung in Güterfelde im Mai 1942.

 

Was wissen wir von ihm?
Benno Meyer kam 1878 als Sohn von Hermann Meyer und von Helene geborene Schubert, zur Welt. Die Eltern haben sein schreckliches Ende nicht mehr miterleben müssen, aus einer Information aus dem Jahr 1941 geht hervor, dass sie da beide bereits verstorben sind.
Die Berufsangabe ist in den spärlich überlieferten Akten unterschiedlich, sowohl Architekt als auch Bauführer wird angegeben. In Magdeburg wohnt er in der Regierungsstraße gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Sein Bruder Kurt lebt unweit von ihm ebenfalls in der Altstadt Magdeburgs. Auf der Gefangenenpersonalkarte wird sein Aussehen so beschrieben: 1,76 m groß, von untersetzter Gestalt, ovales Gesicht, graue Augen, Glatze und ohne Bart. Er ist ledig und kinderlos und hat sonst“keine besonderen Kennzeichen“.
Vermutlich Anfang April 1937 wird er in Polizeihaft genommen. Dort verhört man ihn und er „gesteht“ seine homosexuellen Neigungen.
Mitte April wird er von der Polizei Magdeburg in die Magdeburger Untersuchungshaftanstalt eingeliefert aufgrund § 175 Strafgesetzbuch in der 1935 radikal verschärften NS-Fassung.
Bereits zwei Monate später, am 11. Juni 1937, verurteilt ihn das Amtsgericht Magdeburg aufgrund §175 StGB zu drastischen drei Jahren Gefängnis. Wegen der Höhe der Strafe kann angenommen werden, dass man ihm wahrscheinlich vorwarf, mehrere Partner gehabt zu haben. Da er geständig ist, wird die Untersuchungshaft von 68 Tagen auf seine Strafhaft angerechnet. Mitte Dezember 1937 transportiert man ihn vom Gefängnis Magdeburg in das damals schon sehr große und heute noch bestehende Gefängnis St. Georgen-Bayreuth. Hier verliert sich seine Spur zunächst. Rein rechnerisch hätte er Anfang Juni 1940 aus der Strafhaft entlassen werden müssen. Vermutlich wird er aber nicht in die Freiheit entlassen, sondern von der Polizei in Vorbeugungshaft genommen.
Anfang Dezember 1940 wird der mittlerweile 62-Jährige in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert, als „B.V. 175 Nr. 34.542 SK“. Das „B.V.“ kategorisiert ihn als „Berufsverbrecher“.
„175“ ordnet ihn der Gruppe der homosexuellen Rosa-Winkel-Häftlinge zu, die auch unter den Mithäftlingen auf der untersten Stufe stehen. Als Schwuler kommt er in die Strafkompanie“SK“, in der unter erschwerten Bedingungen über einige Jahre im Schuhläuferkommando Militärschuhe auf stundenlangen Märschen auf einer Rundstrecke getestet werden. Nach nicht einmal einem Monat, Anfang Januar 1941, erkrankt er und wird in den Krankenbau des Konzentrationslagers eingeliefert, erneut Mitte Februar 1941.
Ob er jemals wieder richtig gesund wird, ist sehr fraglich. Jedenfalls teilt man ihn am 5. Juni 1941 dem „Kommando S“ zu. Damit ist wahrscheinlich der“Transport S“ gemeint, auf den um diese Zeit – am 4., 5. und 7. Juni 1941 – 269 unter anderem durch den Arzt Friedrich Mennecke ausgewählte Häftlinge geschickt werden. Mit Lastwagen werden sie in die Euthanasie-Tötungsanstalt Sonnenstein bei Pirna in Sachsen transportiert und in der dortigen Gaskammer mit Kohlenmonoxid erstickt. In dieser Tötungsanstalt ermorden die Naziverbrecher 1940 und 1941 etwa 14.000 Menschen.
Gezielte Vergasungsaktionen an Homosexuellen sind wie etwa bei den Juden oder Sinti und Roma bislang nicht bekannt. Trotzdem gab es Vergasungsaktionen an kranken und nicht mehr arbeitsfähigen invaliden KZ-Häftlingen, die für die SS wertlos geworden sind. Davon sind auch etliche homosexuelle Männer betroffen.
Gewöhnlich haben die Nazis solche Mordaktionen vertuscht, indem sie falsche Todesursachen und möglicherweise auch falsche Angaben des Todesortes und Todeszeitpunktes dokumentieren. Deshalb sind die offiziellen standesamtlichen Angaben zum Tode Benno Meyers wahrscheinlich eine Fälschung, zumindest sehr mit Misstrauen zu betrachten. Zu seinem Tod wird nämlich angegeben, er sei am 2. Juli 1941 um 6.25 Uhr im KZ Sachsenhausen, und angeblich an Kreislaufversagen angesichts vorhandener Altersschwäche, verstorben. Wahrscheinlicher ist aber, dass er in Sonnenstein ermordet wird, nachdem er in sieben Monaten Konzentrationslagerhaft systematisch zu Tode geschunden worden war. Benno Meyer erreicht das Alter von 63 Jahren.
Erst am 21. Mai 1942 wird seine Urne auf dem Waldfriedhof in Güterfelde südlich von Berlin beigesetzt. Auf diesem Waldfriedhof erinnert ein Denkmal an alle dort bestatteten KZ-Häftlinge, auch an ihn.
Quellen: Recherchen von Rainer Hoffschildt (Hannover) und – im Blick auf das Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen – Fred Brade und Joachim Müller (beide Berlin); Sterbezweitbuch des Standesamtes Oranienburg (1941); Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Abteilung Magdeburg: (C 144 Gefängnis Magdeburg, Gommern und Schönebeck B, Nr. 276 A-Z, Gefangenenpersonenkarte); ITS-Bad Arolsen; Standesamt Braunschweig.
Der Stolperstein für Benno Meyer wurde von Petra und Peter Ließmann, Helmstedt, gespendet.

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