Wir erinnern an Fritz Arnold Kruse

Fritz Arnold Kruse, geboren am 8.Mai 1890 in Altona, Kaufmann, wohnhaft in Magdeburg, Hohepfortestr.34, verhaftet 1939 wegen § 175 StGB, Polizeigefängnis Magdeburg, 1. Juni 1940 KZ Sachsenhausen, tot am 9. Juni 1942.

Was wissen wir von ihm?
Fritz Arnold Kruse wurde am 8. Mai 1890 in Altona, heute Hamburg-Altona, geboren. Er war evangelischer Religion und blieb ledig. 1935 arbeitete er als Vertreter und hatte, da er wohl viel auf Reisen war, keinen festen Wohnsitz. Am 6. August 1935 wurde der 45Jährige vom Amtsgericht Magdeburg zu sechs Monaten Gefängnis wegen Betrugs verurteilt. Am 1. November 1935 stellte er sich im Gefängnis Magdeburg, um seine Strafe zu verbüßen. Als Verwandte gab er seine Mutter Paula Kruse in Hamburg an. Im Mai 1937 dürfte er aus der Haft entlassen worden sein. 1937 wurde er erneut, diesmal vom Amtsgericht Torgau, zu neun Tagen Gefängnis verurteilt; die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt.
1939 arbeitete er als Kaufmann und wohnte in Magdeburg in der Hohepfortestraße 34. Am 12. Juni 1939 lieferte die Polizei Magdeburg den nun 49Jährigen in das Gefängnis Magde-burg ein. Dort wurde auch eine Personenbeschreibung von ihm erstellt: Größe: 1,70 m, bartlos, graue Augen, kräftige Gestalt, ovales Gesicht, blonde Haare, freie Stirn, besonderes Kennzeichen: Blinddarmnarbe. Als Vorstrafen wurden nun vier Gefängnisstrafen angegeben. Seine Karteikarte wurde mit dem Stempel „Moorfähig“ versehen. Als Verwandte wurde lediglich ein Vormund, Pastor Lüdeke, angegeben – möglicherweise war er entmündigt worden. Im Juli wurde er für eine Woche in das Gefängnis Elsterwerda transportiert, vielleicht zu einer Zeugenaussage. Am 20. November 1939 verurteilte ihn das Amtsgericht Magdeburg nach §175 StGB zu zehn Monaten Gefängnis abzüglich fünf Monate Untersuchungshaft. Es ist eine ziemlich geringe Strafe; ihm wurde wahrscheinlich nichts vorgeworfen, was heute noch strafbar wäre.
Kurz vor seinem Haftende ordnete die Kriminalpolizei Magdeburg Überhaft für ihn an und am 29. April 1940 wurde er der Kripo übergeben. Am 1. Juni 1940 wurde der 50Jährige in das KZ Sachsenhausen als „Berufsverbrecher“ transportiert und erhielt die Nummer „BV 175 Nr. 25.187“. Dort erkrankte er, wurde am 28. Juni 1940 in den Krankenbau gebracht und erst am 27. Februar 1941 wieder daraus entlassen. Doch er erkrankte erneut und wurde aus dem Block 12 am 14. Oktober 1941 wieder in das Krankenrevier eingeliefert. Am 9. Juni 1942 um 13.30 Uhr starb Fritz Arnold Kruse im KZ Sachsenhausen im Häftlingsblock 14 angeblich an Herz- und Kreislaufschwäche beim Grundleiden rechtsseitige offene Lungentuberkulose im Alter von 52 Jahren. Wahrscheinlich starb er aber doch wohl durch die Strapazen der Haft und die Unterversorgung. Er hatte rund zwei Jahre im KZ Sachsenhausen überlebt, überdurchschnittlich lange.
Beigesetzt wurden seine Überreste auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf.

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