Wir erinnern an Hans August Knüppel

Hans August Knüppel,geboren am 7. Januar 1899 in Magdeburg-Sudenburg, Kaufmann und Eisenhändler, wohnhaft in Magdeburg, Hermann-Göringstraße 5 (heute Tucholskystraße 5), verhaftet 1935, Polizeigefängnis Magdeburg, entlassen 1936, verhaftet 1938, verurteilt wegen § 175 StGB zu vier Jahren Zuchthaus in Coswig, 19. Februar 1942 KZ Buchenwald, 13. März 1942 KZ Ravensbrück, 20. Juli 1942 KZ Dachau, tot am 17. November 1942 in Dachau.

Was wissen wir von ihm?
Hans August Knüppel wurde am 7. Januar 1899 in Magdeburg-Sudenburg geboren. Sein Vater war der Ingenieur Wilhelm August Julius Knüppel, seine Mutter Adele Knüppel, geborene Günther. Er war evangelischer Religion.
1935 arbeitete er als Kaufmann und Eisenhändler in Magdeburg; der ledige 36Jährige wohnte noch bei seinen Eltern in Groß Ottersleben Hermann Göringstraße 5, heute Magdeburg-Sudenburg, Tucholskystraße. Am 1. August 1935 wurde er von der Polizei wegen Sittlichkeitsverbrechens nach §175 StGB in das Gefängnis Magdeburg eingeliefert und deswe-gen am 10. September 1935 vom Amtsgericht Magdeburg zu zehn Monaten Gefängnis, abzüglich einem Monat Untersuchungshaft, verurteilt. Zur weiteren Strafverbüßung wurde er im Februar 1936 in ein anderes Gefängnis transportiert. Im Juni des gleichen Jahres dürfte er dort zum rechnerischen Strafende entlassen worden sein.
1938 wohnte er immer noch an der gleichen Anschrift zusammen mit seiner Mutter. Am 25. Januar 1938 wurde der mittlerweile 39Jährige erneut von Polizei in Untersuchungshaft in das Gefängnis Magdeburg wegen „widernatürlicher Unzucht“ eingeliefert.7 Nun wurde auch eine Personenbeschreibung von ihm erstellt: Größe: 1,72 m, bartlos, blaue Augen, schlanke Gestalt, ovales Gesicht, Glatze, keine besonderen Kennzeichen. Er wurde vermutlich in Magdeburg und wahrscheinlich aufgrund § 175a StGB zu drastischen vier Jahren Zuchthaus verurteilt und am 16. Juni 1938 in das Zuchthaus Coswig transportiert.
Etwa im Januar 1942 dürfte er seine Strafe verbüßt haben. Doch der mittlerweile 43Jährige wurde nicht in die Freiheit entlassen sondern am 19. Februar 1942 mit weiteren fünf Homosexuellen in das KZ Buchenwald eingeliefert. Er erhielt die Nummer „1.542 Homosexueller“.
Bereits nach rund drei Wochen wurde er am 13. März 1942 weiter in das Männerlager des KZ Ravensbrück transportiert, wo er die Nummer 1.432 erhielt. Von dort wurde er nach weiteren vier Monaten am 20. Juli 1942 in das KZ Dachau transportiert, wo er zwei Tage später ankam und die Nummer 32.057 erhielt.
Er muss nun schwer erkrankt sein. Bis hierher sind seine Daten noch verlässlich. Sicher ist auch, dass er am 14. Oktober 1942 von Dachau aus auf einen „Invalidentransport“ mit unbekanntem Ziel kam. Es gab solche Transporte für nicht mehr arbeitsfähige und kranke Häftlinge z.B. von Dachau in das Schloss Hartheim, wo die Häftlinge vergast wurden. Seine nachfolgenden Todesdaten sind zumindest unsicher, wenn nicht gar gefälscht, um die Mörder zu schützen. Er starb angeblich am 17. November 1942 im KZ Dachau an Herzversagen im Alter von 43 Jahren. Nur rund neun Monate hatte er das KZ-System der Nazis überlebt. Tatsächlich starb er aber doch wohl durch die Strapazen der Haft und die Unterversorgung im KZ..

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