Wir erinnern an Heinrich Georg Karl Heyer

Heinrich Georg Karl Heyer, geboren am 14. Februar 1914 in Wegeleben bei Halberstadt, Land- oder Fabrikarbeiter, wohnhaft in Magdeburg, Oranienstraße 3, nach mehrfachen Gefängnisaufenthalten KZ Buchenwald und KZ Mittelbau-Dora, tot am 9. April 1944 im KZ Bergen-Belsen.

Was wissen wir von ihm?
Von seinem kurzen, gerade 30 Jahre währenden Leben sind nur kleine Mosaiksteine bekannt. Sie ergeben kein deutliches Bild einer Persönlichkeit. Was wir wissen, ist lediglich, dass er eins der zahllosen Opfer der unmenschlichen Weltsicht und brutalen Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten wurde.
Heinrich Georg Karl Heyer ist der Sohn von Karl Heyer und Emma geborener Brauckoff. Als ihr Sohn geboren wird, wohnen sie in Wegeleben in der Nähe Halberstadts, Quedlinburger Straße 7. Wann Heinrich Heyer nach Magdeburg zieht und ob er das mit seinen Eltern zusammen oder zunächst allein tut, ist nicht bekannt. 1935 wohnt er in der Oranienstraße 3 (heute Danzstraße, neue Bebauung); nach späteren Angaben ist das auch der Wohnsitz der Eltern. Er ist als Land- oder Fabrikarbeiter tätig, möglicherweise ohne reguläre Berufsausbildung. 1935, 21-jährig, kommt er zum ersten Mal in Untersuchungshaft, weil er seine homosexuelle Neigung gelebt hat (der Paragraph 175 des damaligen Strafgesetzes spricht von “widernatürlicher Unzucht”). Er ist nach den Polizeiakten 1,82 m groß, von schlanker Gestalt, mit bartlosem Gesicht, dunklen Augen und dunkelblondem Haar. Offenbar ist es aber zu keiner Verurteilung gekommen. Zu kurzen Haftstrafen wird er in den Jahren 1937 und 1938 verurteilt (wegen “unbefugten Uniformtragens”,“Entziehung der Wehrüberwachung” und Glückspiels).
1938 kommt es dann zu einer Verurteilung auf Grund des Paragraphens 175 und zur Einlieferung in das Zuchthaus Coswig. Wie man vermuten muss, sitzt er dort ein, bis er am 28. August 1943 in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert und in den Block 30, den Homosexuellenblock, eingewiesen wird. Im Februar 1944 wird er in das Außenlager Mittelbau-Dora verbracht, dessen Insassen eine unterirdische Produktionsanlage für die berüchtigten V-Waffen errichten müssen. Wie etwa 20 000 andere Beschäftigte fällt er sehr schnell den unmenschlichen Bedingungen in diesem “Arbeitslager” zum Opfer; schon nach einem Monat bringt ihn ein Krankentransport in das Konzentrationslager Bergen- Belsen. Dort kommt er nach zwei Wochen, am 9. April 1944 zu Tode, verstorben angeblich an Wassersucht.
Quellen: Recherche Rainer Hoffschildt, Hannover; Gedenkstätten Bergen-Belsen, Buchenwald, Mittelbau-Dora; Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Magdeburg; Verwaltungsgemeinschaft Bode-Holtemme (Geburtseintrag); April 1995 Namensveröffentlichung im Gedenkbuch von Bergen-Belsen (Informationsstand August 2011)

0 Comments

Leave a Reply

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>