Wir erinnern an Kurt Willi Köpp

Kurt Willi Köpp, geboren am 12. Dezember 1915 in Magdeburg, Schneider, wohnhaft in Magdeburg, Gutenbergstraße 15, ermordet am 10. Juli 1942 im KZ Sachsenhausen.

Was wissen wir von ihm?
Kurt Willi Köpp wird gerade einmal 26 Jahre alt. Von seinem kurzen Leben haben sich nur wenige Spuren erhalten. Sie lassen den Leidensweg eines unauffälligen jungen Mannes erkennen, dessen homosexuelle Neigung in den Augen der nationalsozialistischen Machthaber ein todeswürdiges Verbrechen ist.
Kurt Willi Köpp ist der Sohn des Schneidermeisters Otto Emil Köpp und seiner Ehefrau Emelie Ottilie geborene Nikolai. Die Familie wohnt zur Zeit seiner Geburt in der Waagestraße 7a. Zuletzt wohnt Köpp zusammen mit seinem Vater – die Mutter ist nicht mehr am Leben – in der Gutenbergstraße 15. Er bleibt unverheiratet und wohnt, wie es scheint, immer in der elterlichen Wohnung. So wird er den Schneiderberuf bei seinem Vater erlernt haben.
Dass Kurt Köpp 168 cm groß und von untersetzter Gestalt ist, ein ovales bartloses Gesicht, blaue Augen und blonde Haare und – als besonderes Kennzeichen – eine linke Hüftlähmung hat, wird in den Polizeiakten festgehalten, als er im August 1937, 21-jährig, in Untersuchungshaft kommt. Ihm wird Verstoß gegen Paragraph 175 Strafgesetzbuch vorgeworfen.
Wegen „widernatürlicher Unzucht“ wird er am 1. November 1937 zu 3 Jahren Gefängnis abzüglich 2 Monaten Untersuchungshaft verurteilt.
Während der Haft erhält er zweimal kurzen Urlaub, vermutlich aus familiären Anlässen. Im September 1940 wird er entlassen.
Aber sehr bald verliert er seine Freiheit wieder, bereits im Januar 1941 wird er vom KZ Neuengamme (wohin er offenbar wegen seiner Homosexualität verbracht worden ist) in das KZ Dachau transportiert, von dort im Juli nach Buchenwald, wo er im Steinbruch arbeitet (Häftlingsnummer 6.995 Paragraph 175). Aber bereits im März 1942 gelangt er ins Männerlager des KZ Ravensbrück und schließlich im Mai ins KZ Sachsenhausen (Nr. 33.490).
Am 10. Juli 1942 wird er mit sieben anderen Homosexuellen im Außenkommando Klinkerwerk ermordet, wo die SS zwischen Juli und September 180 bis 200 Häftlinge (rosa-Winkel-Träger) umbringt (so genannte Klinkerwerkmorde), darunter auch Ling-Li Hsoum, der zuletzt wie Köpp in Magdeburg gelebt hat.
Quellen: Recherche Rainer Hoffschildt, Hannover, 2010; Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Magdeburg; IST Bad Arolsen
Der Stolperstein für Kurt Willi Köpp wurde aus Spenden finanziert, um die Stadtrat Wolfgang Wähnelt, Magdeburg anlässlich seines 50. Geburtstages gebeten hatte.

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