Wir erinnern an Paul Juhe

Paul Walther Karl Juhe, geboren am 15. November 1897 in Magdeburg, kaufmännischer Angestellter, wohnhaft in Magdeburg, Blauebeilstraße 10, mehrfach verhaftet, aus dem Zuchthaus Coswig in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht, tot am 11. Juni 1940.

 

Was wissen wir von ihm?
Paul Walther Karl Juhe ist der Sohn des Handelsmannes Franz Eduard Otto Juhe und seiner Frau Bertha Anna geb. Heisinger. Sein Geburtshaus in der Blauebeilstraße 10 ist auch sein letzter Wohnsitz; wahrscheinlich hat er immer bei seinen Eltern gewohnt. Jedenfalls ist er ledig geblieben. Er ist evangelisch. Er erlernt den Beruf eines Kaufmanns und ist als kaufmännischer Angestellter tätig. Laut einer im Zusammenhang einer Verhaftung erstellten Personenbeschreibung ist er 1,70 m groß, von untersetzter Gestalt, mit einem runden bartlosen Gesicht, blaugrauen Augen und blonden Haaren.
Sein Name taucht samt Adresse in einer Anzeige einer Zeitschrift für lesbische Frauen mit dem Titel „Die Freundin“ (Ausgabe vom 14. November 1927) auf. Er bietet seine Anschrift als Kontaktadresse für Frauen an, die Mitglieder der „Damengruppen des Bundes für Menschenrecht“ – einer politischen Organisation zur Emanzipation Homosexueller – werden möchten. Daraus ist zu ersehen, dass er zu seiner eigenen homosexuellen Orientierung steht – ein Zeichen seiner Emanzipiertheit und seines Mutes.
Mit einer Verhaftung am 1. März 1937 beginnt Paul Juhes Leidensweg. Nach mehreren Verhören wird er im Juni 1937 aufgrund des §175a zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, die er im Zuchthaus Coswig verbüßt. In dieser Zeit wird er – vermutlich zu Zeugenaussagen – mehrfach in das Gefängnis Magdeburg gebracht. Am 8. Juni 1940 kommt er als „Schutzhäftling“ in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er im Häftlingsblock 35 untergebracht wird. Bereits wenige Tage später, am 11. Juni 1940 um 23 Uhr, endet sein Leben, angeblich durch „Freitod durch Erhängen“.
Quellen: Recherche Rainer Hoffschildt, Hannover; Zeitschrift „Die Freundin“; Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt; Standesamt Magdburg; Gedenkstätte Sachsenhausen; Internationaler Suchdienst Arolsen.
Der Stolperstein für Paul Walther Karl Juhe wurde durch den Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt gespendet.

 

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