Pressemitteilung: IDAHOT 2017

Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai 2017

Aktionen gegen Diskriminierung in Magdeburg und Hall

Am 17. Mai begehen LSBTI* international den Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT). Auch in Sachsen-Anhalt nehmen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI*) diesen Tag zum Anlass, um auf die Diskriminierung und Verfolgung queerer und nichtheteronormativer Menschen hier und im Rest der Welt aufmerksam zu machen. Zeitgleich finden dazu am kommenden Mittwoch um 18 Uhr in Magdeburg und Halle Aktionen statt.

Rainbowflash auf Bahnhofsvorplatz in Magdeburg

In Magdeburg ruft der Jugendtreff „COME IN“ des LSVD Sachsen-Anhalt gemeinsam mit dem CSD Magdeburg e.V. zur Teilnahme am Rainbowflash auf. Treff ist ab 17:30 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof. Um 18:00 Uhr startet der Rainbowfllash aus hunderten bunten Luftballons. Alle Magdeburger aus Politik und Gesellschaft sind herzlich eingeladen, mitzumachen.

Rainbowflash auf dem Marktplatz in Halle

In Halle lädt der Arbeitskreis QUEER Halle alle Menschen ganz herzlich zur Teilnahme am Rainbow-Flash auf. Treff ist ab 15:30 Uhr auf dem Marktplatz. Unter dem Motto „Europa in Bewegung“ soll zunächst die Lebenssituation von LSBTI* in den Ländern Europas vorgestellt werden. Höhepunkt ist wie jedes Jahr um 17.05 Uhr der Rainbowflash vor dem Ratshof.

Mit den gezielten Aktionen in Halle und Magdeburg möchte die LSBTI*-Community nicht nur ein Zeichen setzen, sondern fordert zugleich den verfassungsmäßigen Schutz vor Diskriminierungen durch Ergänzung des Merkmals „sexuelle Identität“ im Grundgesetz und in der Landesverfassung von Sachsen-Anhalt, den Abbau von Vorurteilen und Homophobie weiter voranzubringen und die Antidiskriminierungsarbeit der Vereine verstärkt zu unterstützen.

„Immer noch werden Homosexuelle verfolgt, inhaftiert, sogar hingerichtet. Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt gehören keineswegs der Vergangenheit an: Trotz Streichung des §175 im Jahre 1994, Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft und des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ist eine breite gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Homosexuellen in Deutschland keineswegs selbstverständlich“, so Grit Merker vom Landesvorstand des LSVD Sachsen-Anhalt.

Gabriel Rücker vom Jugendtreff „COME IN“ des LSVD ergänzt: „In anderen Ländern verhallt der Ruf nach Akzeptanz gänzlich ungehört, Homosexualität wird gar als Straftat verfolgt. Die antihomosexuelle Verfolgungswelle in Tschetschenien ist ein weiteres dramatisches Kapitel in diesem Zusammenhang. Die Bundesregierung sollte russische bzw. tschetschenische Menschenrechtsorganisationen kontaktieren, bei der Rettung von Verfolgten helfen und sie ggf. auch finanziell unterstützen, sowie Verfolgten eine Aufnahme nach § 22, 23 AufenthG anbieten.“

Hintergrund zum IDAHO bzw. IDAHOT:

Seit über 12 Jahren wird der 17.05. überall auf der Welt als Aktionstag, dem sogenannten IDAHOT (International Day Against Homophobia, Transphobia, und Biphobia) begangen. Der IDAHOT liegt im Beschluss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 17. Mai 1990, Homosexualität nicht mehr als Krankheit zu klassifizieren und aus dem ICD-10 zu streichen. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI*) nehmen diesen Tag zum Anlass, um auf die Diskriminierung und Verfolgung queerer und nichtheteronormativer Menschen hier und im Rest der Welt aufmerksam zu machen.

Terminübersicht: Mai und Juni

Die aktuelle Terminübersicht für die Monate Mai und Juni kann ab sofort unter sachsen-anhalt.lsvd.de/download/termine2017-05.pdf angesehen und heruntergeladen werden.

Besonders möchten wir auf die Enthüllung der Gedenktafel für Dr. Magnus Hirschfeld am 14. Mai um 11 Uhr am Ulrichshaus hinweisen. Dazu hat die Landeshauptstadt Magdeburg zusammen mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld folgende Pressemitteilung herausgegeben:

Die öffentliche Enthüllung der Gedenktafel für Dr. Magnus Hirschfeld findet am 14. Mai, um 11 Uhr am Ulrichshaus, Ecke Breiter Weg/Ernst-Reuter-Allee statt. Die Enthüllung wird durch den Beigeordneten für Kultur, Schule und Sport, Prof. Dr. Matthias Puhle vorgenommen. Grußworte werden durch den Geschäftsführenden Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) in Berlin, Jörg Litwinschuh und durch den Geschäftsführer der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e. V., Ralf Dose überbracht.

Hintergrundinformationen zu Magnus Hirschfeld:

http://www.mh-stiftung.de/80jahre/

http://mh-stiftung.de/biografien/magnus-hirschfeld/

Zur Erinnerung an Homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus

Dort, wo Menschen wohnten oder wirkten, setzt der Kölner Künstler Gunter Demnig seit Jahren in Deutschland den Opfern des Faschismus mit der Aktion „Stolpersteine“ ein Gedenken. Seit 1992 wurden über 8000 Erinnerungssteine in Deutschland in das Straßenpflaster verlegt, eine Messingplatte, auf der die Namen und Lebens-Daten zu lesen sind. Es wurden Millionen jüdischer Familien Opfer dieser Barbarei – aber auch andere Gruppen: über 400 Roma und Sinti in Magdeburg, Widerstandskämpfer/innen, Homosexuelle Männer und Frauen, Behinderte aus den Pfeifferschen Stiftungen, Zeugen Jehovas.

Gegen das Vergessen

Rede zur Gedenkveranstaltung für ermordete Homosexuelle aus Magdeburg am 20. August 2009
von Martin Pfarr

Die ermordeten Homosexuellen haben keinen Grabstein. 63 Jahre nach der Befreiung wurde für sie ein nationaler Ort der Erinnerung der Öffentlichkeit übergeben: Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin.  16 Jahre hatte der LSVD dafür gekämpft.
Nun haben wir durch die in diesem Jahr mit finanzieller Unterstützung der Landeshauptstadt durchgeführten Forschungen erstmals auch die Möglichkeit, Namen von Magdeburgern zu kennen, die wegen des § 175 verurteilt und in den  KZ ermordet wurden.

Wir erinnern an Paul Juhe

Paul Walther Karl Juhe, geboren am 15. November 1897 in Magdeburg, kaufmännischer Angestellter, wohnhaft in Magdeburg, Blauebeilstraße 10, mehrfach verhaftet, aus dem Zuchthaus Coswig in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht, tot am 11. Juni 1940.

Wir erinnern an Hsoum Ling-Li

Hsoum Ling-Li, geboren am 7. März 1904 in Kanton (China), Arbeiter, wohnhaft in Magdeburg, Prälatenstraße 16. Er wird im Juni 1940 verhaftet, Untersuchungsgefängnis Magdeburg, bis 1942 Zuchthaus Brandenburg, Juni 1942 KZ Sachsenhausen, Außenlager Klinkerwerk, dort ermordet am 17. Juli 1942.

Wir erinnern an Benno Meyer

Benno Hans Paul Meyer, geboren am 2. Mai 1878 in Braunschweig, Architekt und Bauführer, wohnhaft in Magdeburg, Regierungsstraße 23. Im April 1937 Verhaftung, Haft in Magdeburg und St. Georgen-Bayreuth, 1940 KZ Sachsenhausen; 5. Juni 1941 „Kommando S“, wahrscheinlich ein Transport in die Euthanasieanstalt Sonnenstein bei Pirna; ermordet. Tod angeblich am 2. Juli 1941 durch Kreislaufversagen, angeblich im KZ Sachsenhausen, Urnenbeisetzung in Güterfelde im Mai 1942.